Donnerstag, 9. Dezember 2010

Tutorial - Binding mit der Maschine

Nachdemmehrmals gebeten wurde, das Maschinenbinding auch mal zu dokumentieren, habe ich mal fotografiert.

Und hier das Ganze als PDF-Dokument. 

Der Streifen fürs Binding ist bei mir 6 cm breit, denn das ist genau die Breite, die bei meiner Maschine die besten Ergebnisse liefert. Wer z.B. mit anderen Nähfüßen arbeitet, braucht vielleicht eine geringfügig andere Breite.

Die Länge des Binding-Streifen berehnet sich nach der Gesamtlänge aller vier Seiten des Quilts oder Tischläufers oder was immer ihr auch einfassen wollt. Zu dieser Länge rechne ich noch mindestens 50 cm hinzu. Die einzelnen Streifen nähe ich entweder gerade (wie hier) aneinander oder im 45-Grad-Winkel. Dann wird der Streifen zur Hälfte gebügelt. Um ein Verrutschen während des Nähen zu vermeiden, nähe ich die offenen Kanten des Streifen mit Zick-Zack-Stichen zusammen, jedoch nicht ganz am Ende und am Anfang des Streifens. Um zu vermeiden, dass eine Naht genau an der Ecke liegt, lege ich den Binding-Streifen mal kurz um den Quilt. Denn nichts ist unschöner als das dicke Gewurschtel an der Ecke.


Dann geht es ans Nähen. Etwa 25 cm des Streifen lose lassen. Da ich seit kurzem stolzer Besitzer eines 1/4-inch-Fußes mit Führung bin, muss ich nicht mehr die Nadelposition verschieben und wie ein Luchs aufpassen, dass ich immer schön am Rand lang nähe. Die Führung hilft ungemein. Der Binding-Streifen  zuerst auf der Oberseite des Quilts angenäht. In meinem Fall mit einem Abstand von 1/4 Inch zur Kante.


An den Ecken nähe ich bis 1/4 Inch vor Ende des Quilts und sichere mit Rückstichen.


Nun wird der Streifen wie auf den folgenden Bildern ersichtlich um die Ecke gelegt. Die neue Naht beginnt ganz vorn und wird wieder mit Rückstichen gesichert.



So wird um alle vier Ecken genäht. Nicht bis zum Anfang des Bindings nähen, sondern etwa 20 bis 30 cm offen lassen, bei mir sind es sicher nur 20 cm.


Nun lege ich die beiden losen Enden aufeinander und markiere mit Stecknadeln, wo ich zusammennähen muss. 



Dann wird genau dort eine senkrechte Linie gezogen, auf beiden Seiten des Bindings.


Damit der Quilt nicht spannt, stecke ich den Quilt an dieser Stelle zusammen, das erleichtert das Zusammenstecken des Binding-Streifens ungemein wie ich finde. Dann den Streifen links auf links zusammenstecken.


Nun den Streifen zusammennähen. Danach schneide ich nicht sofort die überstehende Länge ab, sondern prüfe nochmals, ob das Ganze auch passt.



Während viele diesen ersten Teil kennen und danach arbeiten, beginnt nun der Teil, bei dem auch die zweite Seite per Maschine angenäht wird. Damit das auch klappt, ist bügeln unerlässlich. Den nun angenähten Streifen von der Vorderseite aus bügeln und danach nach hinten umklappen. Das nach hinten umgeklappte Stück ist bei mir zwischen 12 und 13 mm breit.


Die Ecken möglichst wie auf dem Foto legen und bügeln, denn so funktioniert das Eckennähen besser.

Da ich keine richtigen Clipse habe, nehme ich Büroklammern. Und nun wird festgesteckt. Man könnte auch Stecknadeln nehmen, aber da man ja von der Vorderseite aus näht, wäre das Entfernen derselben etwas schwierig.  


Direkt an die Ecke kommt keine Klammer, das wäre zuviel Wulst. Aber wenn man gebügelt hat, hält es bis zum Nähen auch so.


Die letzte Naht nähe ich mit einem Nähma-Fuß, der in der Mitte eine Führung hat. Ich hoffe, man kann erkennen, wie das Teil aussieht. Das sollte es für fast jede Maschine geben. Der Fuß ist natürlich auch bei vielen anderen Näharbeiten klasse.


Nun verschiebe ich die Position der Nadel einen Hauch nach links. Bei meiner Hus zeigt das Display 0.5. Das heißt nichts anderes, als dass die Naht eben einen Hauch links neben der Führung verläuft. Viel wichtiger ist jedoch die Markierung auf der Stichplatte. Für ein gleichmäßiges Ergebnis auf der Rückseite darf das Binding nicht über die 1-cm-Marke kommen. Und nun schön langsam nähen, ich nehme dazu (seit meine Maschine einen neuen Transporteur hat) gerne etwas größere Stichlänge, das heißt bei meiner Hus 3.5.


Und mit dieser Einstellung geht es einmal um den Quilt/Tischläufer oder was auch immer ihr einfasst. Vor den Ecken nähe ich sehr langsam, Stich für Stich, damit auch wirklich der Stoff optimal gefasst wird. Denn bei der ganzen Aktion näht man ja blind, weil auf der Rückseite die wichtige Naht ist.


Und so sieht dann die Rückseite aus. Wie gesagt, ich habe auch lange rumprobiert, ehe ich die für mich idealen Einstellungen hatte. Fragt mich bitte nicht nach den rechnerischen Einzelheiten dieses Bindings, ich weiß, es geht nicht auf, aber es klappt. Jedesmal wieder. Und ich kann euch versprechen, nach ein paar Übungsstücken klappt es auch bei euch und sieht schön gleichmäßig aus.


Von der Vorderseite seht ihr auch kaum etwas, weil die Naht ja fast in der Rille verschwindet. Und damit ist das Binding geschafft. Es geht wirklich ratzfatz, auch wenn man sehr genau und sorgsam arbeitet.

Ich hoffe, ich habe alles verständlich erklärt, wenn Fragen auftauchen, dann her damit.

Viel Spaß beim Ausprobieren!

Kommentare:

  1. Hallo Betty,

    da hast du dir richtig Arbeit gemacht :-)
    Dein Tutorial ist super! Gut nachzuvollziehen und übersichtlich. So ordentlich, wie das aussieht,
    macht es Lust aufs Nähen mit der Maschine ;-)
    Vielen Dank für deine tolle Anleitung!
    ich wünsche dir ein schönes Adventswochenende,
    liebe Grüße
    Karin

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  2. hallo Betty,
    ich freu mich, dass Du tatsächlich das Tutorial geschrieben hast und werde es nach Deiner Methode in den nächsten Tagen versuchen! Ich gehöre zu den Handnäherinnen, was ja wirklich etwas länger aufhält. Ich werde Dir davon berichten - versprochen!! Und noch danke für Deine Arbeit!
    liebe Grüsse - Veri

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  3. Hallo Betty, das ist ein tolles Tutorial. :-))))
    Seit neustem nähe ich das Binding auch so an wie du, nur das Bügeln mache ich nicht, das werde ich mal ausprobieren, den Streifen lasse ich offen vor dem Annähen. Wenn das Binding vorne angenäht ist, gehe ich mit einem Zickzack-Stich um den Quilt. Je öfter man das Binding mit der Maschine annäht, desto besser gelingt es.
    Ich habe mal einen Quilt gezeigt, an dem das Binding mit der Maschine angenäht war und hörte den Kommentar: Bist du aber faul :-(((((((
    Ich setze mich doch nicht Stunden hin und nähe das Binding von Hand an, das finde ich Zeitvergeudung. :-)))))

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  4. Hallo, tolle Anleitung. Kompliment. Tolle sache mit den Fotos.
    Ein Anmerkung habe ich noch, es ist besser wenn man die Bindungenden im schrägen Fadenlauf schließt, dann liegt die Naht flacher.

    VG Andrea

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  5. endlich habe ich meine optimalen Einstellungen gefunden. Bei mir müssen es 6,5 cm sein! nochmals danke und lg
    Veri

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  6. Herzlichen DANK für Deine tolle Anleitung. Ich werde dies mit 7 cm testen und dann gerne berichten.

    Mit freundlichen Morgenstundgrüßen

    JackyO

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  7. Da habe ich aber ein tolles Tutorial gefunden, vielen Dank.
    Vielleicht nehme ich wieder einen neuen Anlauf, nachdem ich schon einige "verpatzt" habe. Leider sieht die Rückseite nicht immer so aus, wie gewünscht :-))
    LG Verena

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